Einführung

Enten-Einführung

1. GRUNDLAGEN

Die Entenvögel (Anatidae) gehören zur Ordnung der Gänsevögel (Anseriformes) und bilden hierunter eine eigene Familie. Wir unterscheiden bei der Unterfamilie der Enten (Anatinae) drei Gattungen, die wir im Folgenden näher betrachten wollen:
1. Schwimmenten, 2. Tauchenten, 3. Säger 

Übersicht Entenvögel

Abbildung: Übersicht über die Familie der Entenvögel (Anatidae). (M)* steht für Meeresente.

Bevor wir uns die drei Gattungen in dieser Einheit aber genauer anschauen, wollen wir uns vorab mit einigen einführenden Fakten beschäftigen, die alle Entenvögel betreffen.

2. KÖRPERTEILE

Wie bei anderen Wildarten auch, solltest du die wichtigsten Körperteile der Entenvögel weidmännisch benennen können. Die nachfolgende Abbildung stellt dir diese vor.   

Enten_Körperteile

In deiner Jagdprüfung solltest du mit den weidmännischen Begrifflichkeiten vertraut sein. So kommt es bei den PrüferInnen durchaus gut an, wenn du beispielsweise sagst, dass die Ente Schwingen hat und eben keine „Flügel“ 😉.

3. JAGD

Das Bundesjagdgesetz listet in § 2 unter den Tierarten, die dem Jagdrecht unterliegen, die Wildenten (Anatinae) im Allgemeinen auf. Das heißt hier werden noch nicht die jeweiligen Arten aufgezählt, die dem Jagdrecht unterliegen, sondern die komplette Unterfamilie. Die Säger werden als Gattung vom Bundesjagdgesetz noch einmal separat in § 2 aufgelistet. Um nun genau zu erfahren, welche Entenarten eine Jagdzeit haben und welche keine Jagdzeit haben, heißt es an dieser Stelle also wieder: Landesgesetze beachten! Je nach Bundesland haben unterschiedliche Entenarten eine Jagdzeit. So haben in Bayern bspw. Stock-, Pfeif-, Krick-, Spieß-, Berg-, Reiher-, Tafel-, Samt- und Trauerente eine Jagdzeit, in Brandenburg hingegen nur die Stock-, Krick- und Tafelente und in Schleswig-Holstein bspw. die Stock-, Krick-, Reiher- und Pfeifente. Schaue hier also bitte in die für dich geltenden Landesgesetze, um herauszufinden, welche Entenarten bei dir eine Jagdzeit haben und welche nicht. Die Stockente hat – als am häufigsten vorkommende Entenart – überall eine Jagdzeit, weshalb du über sie am besten Bescheid wissen solltest, was Vorkommen, Lebensweise etc. angeht.   

Die verschiedenen Enten lernen wir zwar etwas später noch einmal genauer kennen, hier kannst du aber schon einmal etwas warm werden mit den verschiedenen Arten.

Vimeo

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Vimeo.
Mehr erfahren

Video laden

Gesetzestexte-nachlesen

(1) Tierarten, die dem Jagdrecht unterliegen, sind:

  1. Haarwild:

  1. Federwild:

Rebhuhn (Perdix perdix L.),

Fasan (Phasianus colchicus L.),

Wachtel (Coturnix coturnix L.),

Auerwild (Tetrao urogallus L.),

Birkwild (Lyrurus tetrix L.),

Rackelwild (Lyrus tetrix x Tetrao urogallus),

Haselwild (Tetrastes bonasia L.),

Alpenschneehuhn (Lagopus mutus MONTIN),

Wildtruthuhn (Meleagris gallopavo L.),

Wildtauben (Columbidae),

Höckerschwan (Cygnus olor GMEL.),

Wildgänse (Gattungen Anser BRISSON und Branta SCOPOLI),

Wildenten (Anatinae),

Säger (Gattung Mergus L.),

Waldschnepfe (Scolopax rusticola L.),

Bläßhuhn (Fulica atra L.),

Möwen (Laridae),

Haubentaucher (Podiceps cristatus L.),

Großtrappe (Otis tarda L.),

Graureiher (Ardea cinerea L.),

Greife (Accipitridae),

Falken (Falconidae),

Kolkrabe (Corvus corax L.).

4. LEBENSRAUM & LEBENSWEISE

Schwimmenten verbringen die Tageszeit im Schilf oder in Schilfnähe (Ruheplätze) und starten gegen Abend ihre Flüge zu den Äsungsplätzen. Sie pendeln also zwischen Ruhe- und Äsungsplatz hin und her. Dieses pendeln nennen wir den Entenstrich. In den Morgenstunden suchen die Enten dann wieder ihre Ruheplätze auf. Am Entenstrich erwarten wir die Enten, wenn wir diese bejagen wollen. Der Begriff Entenstrich ist vom Streichen abgeleitet, was so viel wie Fliegen bedeutet. Wenn wir also davon sprechen, dass Enten von einem Ort zum anderen streichen, meinen wir damit, dass sie von einem Ort zum anderen fliegen.

Tauchenten treffen wir eher auf großen offenen Gewässern, bzw. die Meeresenten in Küstennähe an.

Entenjagd

Abbildung: Die Jagd am Entenstrich.

Da die Stockente die am häufigsten vorkommende Entenart ist, wollen wir die nachfolgenden Erzählungen in erster Linie auf sie beziehen, wobei viele der Fakten auch auf die anderen Entenarten zutreffen. Im Zusammenhang mit der Stockente wird eine Frage gerne gestellt, und zwar die nach den begünstigenden Faktoren für die Ausbreitung der Stockente. Die Ausbreitung der Stockente wurde insbesondere durch die Eutrophierung der Gewässer begünstigt. Die Eutrophierung bezeichnet die Anreicherung eines Gewässers mit Nährstoffen insbesondere durch Stickstoff und Phosphor, was wiederum zu einer erhöhten pflanzlichen Produktion in dem Gewässer führt.

Eutrophierung

Abbildung: Die Eutrophierung begünstigt die Ausbreitung der Stockente.

5. NAHRUNG

Grundsätzlich nehmen Enten sowohl pflanzliche als auch tierische Nahrung zu sich, die sie direkt aus dem Wasser aber auch an Land aufnehmen. Auch hier zeigt sich die Stockente von allen Entenarten am vielseitigsten und anpassungsfähigsten. Neben Getreide nimmt sie auch Schnecken zu sich, die sie auf feuchten Wiesen aufsammelt. Zur Nahrungsaufnahme im Wasser oder im schlammigen Boden haben Enten einen Seihschnabel. Das Wort Seih leitet sich hierbei von dem Wort seihen ab und bedeutet so viel wie sieben oder aussieben. Und genau dafür ist der Schnabel der Enten mit seitlichen Hornlamellen ausgestattet. Dadurch wird es den Enten möglich, die Nahrung aus Wasser und Schlamm heraus zu sieben.      

6. FEDERKLEID

Bei Enten können wir einen sehr ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus beobachten. Im Prachtkleid sind die Erpel meist auffällig bunt gezeichnet, wohingegen die weiblichen Enten eher bräunlich und damit schlicht aussehen. Im Schlichtkleid tragen die Erpel aber auch sehr schlichtes und den weiblichen Enten ähnelndes Gefieder – daher Schlichtkleid. Aber wie, wann und warum kommt es überhaupt zu dem Wechsel zwischen Pracht- und Schlichtkleid? Hierfür ist es wichtig, den Begriff der Mauser zu kennen. 

Geschlechtsdimorphismus

Abbildung: Geschlechtsdimorphismus, hier am Beispiel der Stockente. Links: Weiblich; Rechts: Männlich.

Während der Mauser wechseln Enten ihr Groß- und Kleingefieder. Der Wechsel des Großgefieders wird auch als Sturzmauser bezeichnet. Das Großgefieder umfasst die Schwungfeder der Schwingen sowie die Stoßfedern (Schwanzfedern). Das Kleingefieder bildet den äußerlich überwiegend sichtbaren Teil des Federkleides. Während der Mauser sehen sich Ente und Erpel recht ähnlich. Den Erpel bezeichnen wir zu dieser Zeit auch als Mauser- oder Rauerpel. Hilfe beim Ansprechen bietet hier der Spiegel. Dieser ist auch im Schlichtkleid vorhanden. (Kannst du dich noch daran erinnern, was der Spiegel ist? Wenn nicht, schaue noch einmal oben in den Abschnitt Körperteile.) Während der Sturzmauser sind die Enten für einige Wochen flugunfähig.

Mit dem Wissen der bevorstehenden Flugunfähigkeit suchen die Erpel im Frühsommer – während der Brut- und Aufzuchtzeit – deckungsreiche Schilfgebiete auf, um zu mausern. Die führende Mutterente mausert erst etwas später, wenn die Jungen flugfähig sind. Je nach Entenart findet die Mauser auch um mehrere Wochen verspätet statt, was u.a. auch die unterschiedlichen Jagdzeiten erklärt (mehr dazu findest du in der Zusammenfassung zu diesem Kapitel, wo wir auch noch einmal ein kleines Video mit den wichtigsten Zusammenhängen ergänzt ist.)

Im September/Oktober ist die Mauser vollzogen und die Erpel tragen wieder ihr Prachtkleid. Dieses tragen sie dann bis in das späte Frühjahr. 

Hier kannst du dir merken:
Herbst bis Frühjahr Prachtkleid, da hier auch die Reih- und Paarungszeit stattfindet. Dafür müssen die Erpel schick gemacht sein, daher Prachtkleid angelegt.

Mauser

Abbildung: Erpel einer Stockente während der Mauser.

7. FORTPFLANZUNG

Die Paarung gliedert sich in zwei Etappen: Verlobung und Verpaarung.

Fortpflanzung_Enten

Die lockere Paarbildung (Verlobung) erfolgt bereits im Herbst und Winter. Während der sog. Reihzeit fliegen mehrere Erpel einer Ente hinterher. Diese Verfolgungsflüge sind bei den Stockenten besonders stark ausgeprägt, bei anderen Entenarten eher weniger. Wenn sich ein Paar gefunden hat, bleibt es den Winter über zusammen (Saisonehe/monogam) bis zur eigentlichen Paarung im Frühjahr. Der Nistplatz wird von dem Paar noch gemeinsam ausgesucht. Die Stockente brütet nicht nur in Schilfbereichen sondern auch auf Kopfweiden oder in Nisthilfen. Eine besondere Ausnahme bei den Entenvögeln bildet die Schellente. Sie ist ein Höhlenbrüter und sucht daher Baumhöhlen, Felsnischen oder Erdhöhlen auf.

Hier kannst du dir merken:
Die Schellente hat den Klingelknopf auf der Wange, den man schellt. Die Höhle (das Haus) braucht einen Klingelknopf. Schellente = Höhlenbrüter.

Im Anschluss an die Nistplatzsuche verlässt der Erpel die Ente, um zu mausern. Dementsprechend brütet und führt auch nur die weibliche Ente die Jungen. Enten legen zwischen 8-14 Eier. Merke: Enten ca. 10 Eier. Nach ca. 26-28 Tagen schlüpfen die Jungen. Eine Stockente zusammen mit ihren Jungen wird Schof genannt.

Enten mit Kücken

Abbildung: Schoof = Stockente mit ihren Jungen.

Schellente

Abbildung: Die Schellente ist ein Höhlenbrüter. Denke hier an den Klingelknopf, den man „schellt“.

8. ZUSAMMENHÄNGE VERSTEHEN

Wir haben nun die wichtigsten Fakten zu den Enten – mit Fokus auf die Stockente – kennengelernt. Das folgende Video stellt die Zusammenhänge zwischen Mauser, Fortpflanzung und Jagdzeit noch einmal dar, damit du es leichter hast, dir die Ereignisse im Jahresverlauf einzuprägen. Wenn du diese Zusammenhänge verstehst, fällt es dir auf jeden Fall leichter, dein neu gewonnenes Wissen im Gedächtnis zu behalten.

Vimeo

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Vimeo.
Mehr erfahren

Video laden

  • Während der Mauser wechseln Enten das Groß- und Kleingefieder. Dadurch sind sie für einige Wochen flugunfähig. Der Erpel der Stockente ist so zum Beispiel im Juli/August flugunfähig. Pünktlich zum Herbst hat der Erpel dann sein Prachtgefieder wieder angelegt, um sich für die Verlobung im Herbst/Winter schick zu machen. Die führenden Mutterenten mausern später als die Erpel, ungefähr dann, wenn die Jungen flugfähig werden. Einige Entenarten mausern 3-4 Wochen später als die Stockente, was unter anderem die unterschiedlichen Jagdzeiten (siehe Abbildung am Beispiel für Brandenburg) erklärt.
  • Während der Mauser wird der Erpel auch als Mauser – oder Rauerpel bezeichnet und sieht der Ente sehr ähnlich, was ein weiterer Grund für unterschiedliche Jagdzeiten ist. Wir sprechen dann vom Erpel im Schlichtkleid.
  • Während der Fortpflanzungs- und Brutzeit von Frühjahr bis Frühsommer ist dann selbstverständlich wieder Jagdruhe angesagt.

    Zusammenfassung_Entenvögel